Umschlagshäufigkeit | Definition & Funktion

Der Begriff Umschlagshäufigkeit bezeichnet, wie oft sich ein Lagerbestand innerhalb eines definierten Zeitraums vollständig erneuert. In der Praxis dient meist das Geschäftsjahr als Bezugsrahmen, bei stark saisonalen Gütern auch ein Quartal oder Monat. 

Der Wert zeigt, ob Lagerbestände zügig durchlaufen oder ob Ware lange liegen bleibt und Kapital bindet. Ein hoher Umschlag steht für kurze Verweildauern, passende Bestände und einen flüssigen Warendurchfluss. 

Niedrige Werte deuten auf träge Bestände, oft auch als „Ladenhüter“ bekannt, immer mehr benötigte Lagerflächen und steigende Risiken durch Veralterung, Verderb oder Preisänderungen hin. 

Umschlagshäufigkeit: Die Definition

Die Umschlagshäufigkeit gibt an, wie oft sich ein Lagerbestand innerhalb eines bestimmten Zeitraums komplett erneuert. Erfasst wird also nicht nur der Lagerstand, sondern seine Bewegung im Verhältnis zum Verbrauch oder Absatz. Die Umschlagshäufigkeit macht also sichtbar, wie häufig eingelagertes Material genutzt wird und ob die vorhandenen Bestände zum Bedarf passen. 

Die Einordnung erfolgt stets im Kontext: frische Lebensmittel benötigen hohe Umschläge, während Ersatzteilbevorratung länger im Lager verbleiben darf, ohne als ineffizient zu gelten. Besonders aussagekräftig wird der Wert, wenn er über längere Zeiträume, verschiedene Warengruppen oder mehrere Standorte hinweg verglichen wird.

Umschlagshäufigkeit: Die Formel

Zur Berechnung der Umschlagshäufigkeit werden meist die Daten aus der Lagerbuchhaltung oder aus dem ERP-System genutzt. In der Regel setzt man dabei den Verbrauch einer Ware ins Verhältnis zum durchschnittlichen Bestand.

Jahresverbrauch : durchschnittlicher Lagerbestand = Umschlagshäufigkeit

Als Verbrauch kann der Wareneinsatz, der Absatz oder auch der Materialverbrauch dienen. Der durchschnittliche Bestand ergibt sich häufig aus dem Mittel von Anfangs- und Endbestand. Für eine genauere Bestimmung des durchschnittlichen Bestandes kann es allerdings empfehlenswert sein, mit Monatswerten anstelle von Jahreswerten zu arbeiten.

Umschlagshäufigkeit berechnen

Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht die Anwendung: 

Ein Lager führt im Durchschnitt 800 Stück eines Artikels und setzt im Jahr 4.800 Stück ab. 

4.800 (Jahresabsatz) : 800 (durchschnittlicher Lagerbestand) = 6 Umschlagshäufigkeit

Diese Rechnung zeigt, dass sich der Bestand innerhalb eines Jahres 6 Mal erneuert hat. 

Zum Vergleich: Ein anderer Artikel liegt im Durchschnitt bei 1.200 Stück und der Jahresverbrauch beträgt 3.600 Stück: 

3.600 (Jahresabsatz) : 1.200 (durschnittlicher Lagerbestand) = 3 Umschlagshäufigkeit

Der direkte Vergleich zeigt, wo Bestände liegen bleiben bzw. wo sie sich rasch bewegen. Daraus lassen sich Bestellmengen, Nachschubintervalle und Sicherheitsbestände ableiten. 

In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, die Umschlagshäufigkeit zusammen mit der Lagerreichweite und der durchschnittlichen Lagerdauer zu betrachten. So lässt sich besser einschätzen, wie zuverlässig die Versorgung ist und wie viel Kapital im Lager gebunden bleibt.

Bedeutung in der Praxis

Die Umschlagshäufigkeit wirkt sich unmittelbar auf Kosten, Liquidität und Lieferfähigkeit von Unternehmen aus. Hohe jährliche Werte sparen Fläche, verringern gebundenes Kapital und senken Abschreibungsrisiken. 

Gleichzeitig schrumpfen Puffer, sollte die Nachfrage sprunghaft ansteigen. Um diesen Risiken entgegenzuwirken muss die Stabilität der Beschaffungs- bzw. Produktionsprozesse jederzeit gewährleistet sein. 

Niedrige Werte belasten jedoch die Kostenstruktur, da Ware lange ungenutzt im Lager bleibt und die Flexibilität sinkt. Bei Gütern mit kurzer Haltbarkeit bei Lebensmittel oder schnellen Innovationszyklen, beispielsweise in der Technikbranche, können daraus direkte Verluste entstehen. 

In der Lagerhaltung und -steuerung gilt die Umschlagshäufigkeit als Frühwarnsignal: Steigt der Wert, können die Bestände gezielt verringert werden, fällt er, lohnt sich ein Blick auf Nachfrage, Sortimentsbreite, Losgrößen oder Durchlaufzeiten. In vielen Betrieben wird die Kennzahl der Umschlagshäufigkeit in Zielsysteme eingebunden und regelmäßig mit Sollwerten verglichen.

Umschlagshäufigkeit als Schlüssel zur effizienten Lagerführung

Die ermittelte Umschlagshäufigkeit liefert einen klaren Blick auf die Dynamik von Warenbeständen und verbindet operative Abläufe mit betriebswirtschaftlichen Zielen. 

Unternehmen, die den Wert regelmäßig ermitteln, im Zeitverlauf vergleichen und mit ergänzenden Größen wie Lagerreichweite und Lagerdauer verknüpfen, steuern ihre Bestände näher am tatsächlichen Bedarf. 

 

Das Ergebnis sind geringere Lagerkosten, gesicherte Lieferfähigkeit und ein Materialfluss, der zur Nachfrage passt.