Rollgeld | Definition & Funktion
Rollgeld bezeichnet Transportkosten, die im Rahmen einer Lieferkette für den Transport von Gütern zwischen dem Absender und dem Haupt-Transportmittel oder von diesem zum Empfänger anfallen. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Zeit, als Waren – häufig Fässer – buchstäblich zum Bahnhof „abgerollt“ wurden. Heute versteht man darunter insbesondere die Kosten, die entstehen, wenn Waren durch einen Spediteur im Vorlauf per Lkw zum Bahnhof oder im Nachlauf vom Bahnhof zum Empfänger befördert werden.
Was ist Rollgeld?
Rollgeld, auch international als Cartage bezeichnet, umfasst die Transportkosten für den Landweg über kurze Distanzen. Diese Transporte finden typischerweise innerhalb einer Region oder zwischen nahegelegenen Städten statt. Ziel ist die Verbindung der Hauptbeförderung – etwa per Bahn – mit dem Absender oder Empfänger.
Die Spedition oder das Transportunternehmen kalkuliert das Rollgeld auf Basis der Gesamtkosten des Transportmanagements. Dabei sind die Einflussfaktoren vielfältig und hängen von Strecke, Fahrzeugtyp, Kostenstruktur und vereinbarten Lieferbedingungen ab.
Rollgeld I und Rollgeld II
Zur genaueren Unterscheidung wird das Rollgeld in zwei Kategorien unterteilt:
- Rollgeld I: Transportkosten des Versandspediteurs, also für den Vorlauf vom Absender bis zum Haupt-Transportmittel (z. B. Bahnhof).
- Rollgeld II: Transportkosten des Empfangsspediteurs, also für den Nachlauf vom Haupt-Transportmittel zum Empfänger.
Diese Unterteilung erleichtert die klare Kostenzuordnung und schafft Transparenz zwischen den beteiligten Vertragsparteien.
Verteilung der Kosten nach Lieferbedingungen
Wer die Zahlungspflicht für Rollgeld I und II übernimmt, hängt von den vereinbarten Lieferbedingungen, Handelsklauseln oder Incoterms ab:
- Frei Haus: Der Lieferant trägt sämtliche Transportkosten, einschließlich Rollgeld I und II, bis zur Tür des Empfängers.
- Ab Werk: Der Empfänger übernimmt alle Transportkosten, somit auch beide Rollgeldpositionen.
- Unfrei oder frei Waggon / frei Zielbahnhof: Kosten werden aufgeteilt, sodass je nach Klausel der Verkäufer für den Vorlauf (Rollgeld I) und der Käufer für den Nachlauf (Rollgeld II) zuständig ist.
- Frachtfrei (frei Bestimmungsbahnhof): Der Verkäufer trägt die Transportkosten bis zum Zielbahnhof, also inklusive Rollgeld I. Das Rollgeld II hingegen ist vom Käufer zu bezahlen.
Durch diese Differenzierungen lässt sich eindeutig bestimmen, welche Partei die Kosten für die jeweiligen Abschnitte der Lieferkette übernimmt.
Bedeutung im Transportwesen
Rollgeld ist ein klassischer Begriff aus der Spedition und dem Bahntransport, der bis heute in den internationalen Fachbegriff Cartage überführt wird. Es beschreibt eine spezifische Kostenposition für Transporte auf kurzen Entfernungen, die eine Verbindung zur Hauptbeförderung herstellen. Auch wenn moderne Transportketten häufig komplexere Strukturen aufweisen, bleibt das Rollgeld ein wichtiger Bestandteil der Kostenkalkulation in der Speditionspraxis.