Free on Board | Definition & Anwendung
Free on Board (FOB) ist eine internationale Handelsklausel der Incoterms, die von der Internationalen Handelskammer (ICC) herausgegeben wird. Sie gilt ausschließlich für den See- und Binnenschifftransport und beschreibt die Aufteilung von Kosten, Risiken und Pflichten zwischen Verkäufer und Käufer. Der Ausdruck bedeutet „frei an Bord“ und legt fest, dass der Verkäufer die Ware bis zur Verladung auf ein vom Käufer benanntes Schiff liefern muss. Sobald die Ware an Bord gebracht ist, gehen Gefahr und Verantwortung auf den Käufer über.
Grundidee und Anwendung
Die Klausel dient der eindeutigen Abgrenzung der Zuständigkeiten. Der Verkäufer trägt alle Kosten und Risiken bis zur Verladung im Verschiffungshafen, der Käufer ab dem Moment, in dem die Ware die Schiffsreling überschritten hat. Diese klare Trennung ist im internationalen Handel wichtig, um Streitigkeiten über Transportschäden oder Kosten zu vermeiden. FOB wird besonders im Massenguthandel eingesetzt, etwa bei Getreide, Kohle, Stahl oder Mineralien. Auch bei Industrieprodukten, die in großen Mengen verschifft werden, ist die Klausel üblich.
Historischer Hintergrund
FOB gehört zu den ältesten Incoterms und wurde bereits in den frühen Fassungen der internationalen Regeln verankert. Mit der Überarbeitung von 2010 und 2020 wurde der Anwendungsbereich präzisiert: Heute ist FOB eindeutig auf den See- und Binnenschiffverkehr beschränkt. Für Containertransporte wird dagegen FCA (Free Carrier) empfohlen, da hier die Verladung an Bord nicht vom Verkäufer, sondern oft vom Hafenbetrieb übernommen wird. Diese Klarstellung verhindert Missverständnisse, die früher häufig zu Konflikten führten.
Pflichten des Verkäufers
Der Verkäufer hat verschiedene Aufgaben zu erfüllen, bevor die Verantwortung auf den Käufer übergeht:
- Bereitstellung der Ware in vertraglich vereinbarter Qualität und Menge
- Exportgerechte Verpackung und Kennzeichnung
- Abwicklung aller Zollformalitäten für den Export
- Transport bis zum vereinbarten Hafen
- Organisation der Verladung der Ware auf das benannte Schiff
Der Verkäufer trägt alle Kosten und Risiken bis zu diesem Zeitpunkt. Schäden, die nach der Verladung entstehen, sind nicht mehr seine Verantwortung.
Pflichten des Käufers
Der Käufer übernimmt nach der Verladung sämtliche Verpflichtungen:
- Benennung von Schiff und Verschiffungshafen
- Abschluss des Frachtvertrags mit der Reederei
- Organisation der Transportversicherung
- Übernahme aller Kosten und Risiken ab Bord
- Abwicklung der Importformalitäten im Zielland
Damit hat der Käufer ab dem Moment der Verladung die volle Kontrolle über den Transport, muss sich aber auch um alle weiteren Schritte kümmern.
Abgrenzung zu anderen Incoterms
FOB ist klar auf den Seehandel zugeschnitten. Im Unterschied dazu gilt FCA (Free Carrier) für alle Transportarten und verlagert den Gefahrenübergang bereits auf den ersten Frachtführer. CIF (Cost, Insurance and Freight)verpflichtet den Verkäufer zusätzlich, die Seefrachtkosten und eine Versicherung bis zum Bestimmungshafen zu tragen. Damit liegt FOB in seiner Reichweite zwischen FCA und CIF und bildet eine klassische Lösung für Transporte, bei denen der Käufer die Hauptverantwortung übernehmen möchte.
Juristische Bedeutung
In der Praxis ist der präzise Übergabepunkt entscheidend: Maßgeblich ist der Moment, in dem die Ware physisch an Bord gebracht wird. Kommt es danach zu Transportschäden, liegt die Beweislast beim Käufer. Die klare Regelung macht FOB zu einer häufig verwendeten Klausel in internationalen Verträgen, da sie Rechtssicherheit und Transparenz bietet.
Typische Missverständnisse
Oft wird FOB auch für Containertransporte verwendet, obwohl dies nicht korrekt ist. Da die Container im Hafen bereits an Terminalbetreiber übergeben werden, ohne dass der Verkäufer selbst die Verladung an Bord veranlasst, ist FCA die richtige Wahl. Die falsche Anwendung von FOB kann im Schadensfall zu erheblichen Rechtsstreitigkeiten führen.
Vorteile und Nachteile
Der Vorteil von FOB liegt in der klaren Definition des Übergangspunkts, was Rechts- und Kostensicherheit schafft. Käufer profitieren zudem von der Freiheit, eigene Transport- und Versicherungsverträge abzuschließen. Nachteile ergeben sich durch das erhöhte Risiko des Verkäufers bis zur Verladung und durch den organisatorischen Mehraufwand des Käufers nach Übergabe.